Interview auf Ansuchen des Landesunterrichtsinstituts des Kulturministeriums
Advent 1999


Ilma Hendi kann mehrere Länder ihre Heimat nennen. Als schwedische Staatsbürgerin lebt sie in der Schweiz und in Frankreich, aber sie hat auch eine Budapester Telefonnummer. Inspiriert sie diese viele Länder übergreifende Eigenschaft in ihrer schriftstellerischen Tätigkeit?

Meine Gedichte: in den Bändern „Kosmische Wärme“ und „Rosenstunde“ und mein Prosabuch: „Weg, lichter Weg“, aber auch meine Dramen: „Das Tagebuch der Selma Lagerlöf“ und „Zwischen den Zedern die Zitadelle“ sind Zeugen dafür. Ich bin in Siebenbürgen geboren, eine Szeklerin. So auch Erbin des großen ungarischen Dichters Lajos Áprily mit der meist polierten und feinsten Stimme und des Fee-ernsten Áron Tamási, auf Sternepfaden, was ich wörtlich verstehe. Ich möchte hier aber auf mehrere Tatsachen hinweisen, denn man wird von der „viele Länder übergreifenden“ Eigenschaft selbst nicht inspiriert. Eingeben, inspirieren kann die Landschaft; mich hat nach Siebenbürgen besonders das Schweden Selma Lagerlöfs, der ersten mit Nobelpreis ausgezeichneten Schriftstellerin, Olof Palmes, des wahrhaftig idealistischen Staatsoberhaupts und des mystischen Dag Hammarskjöld. Stockholm, das schönste „Meerauge“ der Welt, der verwirklichte Traum des märchenhaft anständigen und gutmütigen, in Skandinavien inkarnierten Wiking-Volkes, inspiriert. Tiefe Dankbarkeit, nämlich Liebe bindet mich dahin, und heim nach Göteborg, wo mich auch heute mein 2000 m2 großes Grundstück erwartet, das ich schon einmal verschenkt hatte, verschenkt hätte. Aber der Himmel hat andere Absichten; ich ahne, dass ich mit seelischer Nabelschnur noch immer zum Norden gebunden bin, sowie auch hierher, herab zur Erde, zu diesem blutigen und wunderbaren Planeten, von dem ich WEISS, (Entschuldigung!), dass es der Christusstern ist. Und in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit eine Lebensstation. Ja, die Erde hat auch eine Karma, ein Los, nicht nur die Völker und als Einzelwesen jedermann. Über die Schweizer Heimat von Wilhelm Tell, Nicolaus von Flüe und Henri-Fréderic Amiel, und die Perlen-Geheimnisse des Genfer Sees zeugen sie auch, nicht nur meine Prosa, sondern auch meine Zitatenkalender. Albert Steffen, Dichter der Schweiz, sagt folgendes in der aus fünf Bänden bestehenden Serie, im 2. Band mit dem Titel „Dem Denken zur Klarheit Wärme Schenken“: „Der Körper ist auch eine Schrift.“ Und gleich danach auf Seite 49 schreibt Flaubert: „Die Erhabenheit des Charakters, es ist eine noch seltenere Gabe als die Begabung.“ Voilá, schon Frankreich. Wie könnte man das junge, lichtdurstige Volk der Franzosen loben? Das bezaubernde Land von Jeanne d´Arc, der hellseherischen Jungfrau von Orléans, von Napoleon und Antoine de Saint Exupéry? Die felsenfesten Berge der Alpen, wohin mich mein Schutzengel – im konkretesten Sinne des Wortes! – hinführte. Auf drei Hektare Besitz lebe ich mit Schwalben, Eichhörnchen, Wildschweinen, Füchsen, aber mein wirklicher Besitz ist außer der herrlichen Berglandschaft „nur“ die Poesie, und dazu das geistige Leben. Und ich darf auch meine geistigen Besucher und Verbündete nicht vergessen. Darüber sprechen all meine Arbeiten, mehr als 30 herausgegebene Bücher, die Übersetzungen eingeschlossen. (Die Bücher, mit ganz kleiner Ausnahme, habe ich schließlich ganz allein herausgegeben, die mehr als siebzigtausend Exemplare zu 97% verschenkt.) Meine geistigen Verbündeten sind realistisch: zahlreiche, nach dem Tode weiter bestehende Verbindungen und Inspirationen. Ich spreche über Menschen, vor ihrem Tod und danach, und noch über Wesen von viel höherer Qualität, aus eigener Erfahrung mit Ehrerbietung, aber mit dringender Betonung, damit die heimtückisch-alberne, und für heute offen teuflische Dunkelheit, diese unvernünftig attackierende, leben- und menschenwidrige Sub-“Kultur“, schwindet. Inspiration? Es kann auch so „funktionieren“; ich bringe ein sehr einfaches Beispiel. Es gibt ein französisches Sprichwort: „Der brave Mensch hat keinen Sonntag.“ Es bewegte mich auf Ungarisch dazu: „Die Arbeit wird zum Sonntag für die Bravsten“. Und was auf Ungarisch nie geschrieben wurde, dass ich mit Amiel etwas von den verstecktesten Geheimnissen der Schweiz verrate: „Der Mensch ist das, was sein Herz ist“. Und noch: „In Allem ist alles drinnen“.

Aus ihrem Lebenslauf wissen wir, dass die entscheidende Wendung ihres Lebens ihre Begegnung mit der christuszentralen Geisteswissenschaft war. Gab dieses Ereignis auch ihrer Poesie eine Richtung?

Meine ganze Poesie, alle meine geschriebenen Wörter, wurden in dieser Liebe empfangen. Damit ich glühendes Feuer werden könne, deshalb kam ich in dieser Verkörperung auf die Erde. Das Licht, der Einsicht zu zeigen und zu vermitteln, damit ich Zeugenschaft von Christus gebe: vom ewigen Leben, von Seinem Licht und Seinem Gold, nicht von dem falsch glänzenden, aber von der Unschuld der Rose. Das ist ein Ereignis von mächtigster Kraft: das Geheimnis, das Gottes blutigem, 33 jährigen irdischen Weg folgt, namentlich die heilige Sache Seines WIEDERKOMMENS, (nämlich Sein Mysterium) und das erkläre ich hier und jetzt in voller Besinnung meines nüchternsten Verantwortungsgefühls: das ist die wesentlichste Frage des XX. Jahrhunderts – und aller, der vergangenen neunzehn! ALLES dreht sich hierum, was wir Leben nennen und wissen. Es ist das „Geheimnis“ unseres geistigen Aufwachens und unserer geistigen Entwicklung, unseres Fortkommens. Schaut nur die glaubensverlassenen, manipulierten Kirchen dieser Welt. Ehre den Ausnahmen Rudolf Steiners Christuslehre, das der Grundstein aller seiner Lehren ist, seine geistige Schulung hat mir das Klarsehen, und das Wissen des Unterschiedes - wieder beigebracht. Meditierend, seit 30 Jahren ohne einen einzigen Schluck Alkohol, werde ich auch Steiners Schülerin (beziehungsweise Goetheanistin, oder Anthroposophin) genannt. Die Anthroposophie ist Geisteswissenschaft, die Evolutionswissenschaft des großen österreichischen Sehers Rudolf Steiner, in deren Mittelpunkt der Mensch und die Entwicklung des Weltalls stehen, auf konkrete und glaubwürdige geistige Untersuchungen begründet. Staatspräsidenten, Minister, hochstehende Priester profitieren seit über 100 Jahren auf der ganzen Welt von den Ergebnissen der hellseherischen Untersuchungen dr. Steiners, die sich auf die Zukunft beziehen. Dass es aus Furcht von so vielen verneint wird, und so viele teuflisch Manipulierte dagegen hetzen, auch heute nach dem höllischen Prinzip „teile sie und beherrsche sie“, ist ein Drama undiskutabel. Ich begann Áprilys metaphysische, d.h. nach seinem Tode, aus der geistigen Welt erhaltenen Initiative Gedichte zu schreiben. Nämlich die Gedichte abzuschreiben, so ist es genauer, da es in ihnen solche Ausdrücke gab, die ich damals noch selbst nicht kannte. Doch, es gibt keinen Zweifel daran, dass sie die meinigen wären. Unaussprechbar, haarsträubend waren die Angriffe, die kamen… Und die Gedichte kamen, direkt vom Himmel inspiriert, zum Beispiel „Warum reizt es“: Es geht um Anderes,/ darum, dass der Schein ein Schein/ bleibt,/ Und alles was geschah/seinen Preis hat/ Warum? Frage dich selbst,/ Warum reizt dich die Physik?/ Der elektromagnetische Strom der Welt?/ Sehe, alles wirkt zurück,/ und ich spreche weiter, denn so ist es wahr:/ Nicht bloß deine Taten,/ Aber der Gedanke selbst/ wirkt, wie ein Magnet,/ es wirkt auf dich selbst zurück. – oder „Bis du es willst“: Auf empirischem Weg ist es beweisbar/ Ergebnis des Bewustseins und der geistigen Evolution/ Ich sage es bis Du es willst/ Ich sage es, wenn man 100 Jahre dazu braucht, bis ich verstanden werde/ Ich glaube es nicht/ Ich begehre es nicht bloß/ Wissen, Erfahrung/ Persönliches Treffen/ Mit Dir, mein Herr/ Was mich sprechen lässt.

In ihrer Dichtung trotz der in ihr wirkenden handfesten Sachen sind zahlreiche Abstraktionen, und es macht die Annäherung häufig schwer, denn der Leser muss auch die Position erleben, in der das Werk geschrieben wurde. Haben sie keine Angst vor den Klippen der Elfenbeinturm-Poesie?

Verzeihen sie, wenn ich lächle? Meine Poesie und jedes meiner Werke – die Bildung doch ohne wahrhaftige Werke, also unsere Bildung und die unseres Lebens, incl. die Bearbeitung der Erde, geht nicht ohne hervorragende Werke – ist ein lebensgefährlicher wahrsagerischer Mut. Nach alledem durch das ich gegangen bin, wovor sollte ich noch Angst haben? Aber viel, viel mehr „Türme“, nicht aus Elfenbein, aber solche, die fern und hoch sehen können, beobachtende und überwachende, sogar Pharos, damit wir endlich die göttliche Tiefe des Weltmeeres besser kennen könnten, das möchte ich von Herzen lieben. Damit die „Position“ des Lesers – unserer Söhne, Töchter, Schüler? nicht die „Position“ der drogensüchtigen „Säufer“ oder des Kanonenfutters wäre.

In ihrer Sammlung der Gedichte Rosenstunde folgen die Gedichte in alphabetischer Reihenfolge. Aufgrund welchen Redaktionsprinzips haben sie sie so gruppiert?

Es war ein spontaner Gedanke. In seiner Tiefe die Sehnsucht nach Einfachheit.

Neben ihrer Dichterstätigkeit machen sie Übersetzungen aus Schwedisch, Deutsch, Französisch; sie haben Drehbücher geschrieben und „Rythmusmosaiken“ . Bildeten sich diese Rigmen zum Buch auf den Wegen der geistigen Ausflüge?

Die Übersetzung ist Demut und Segen, empfindliche und anspruchsvolle Treue. Und bei mir auch Geschenk und Anbetung. Ja, fühlen sie es? Ich hoffe doch, dass Sie daran nicht zweifeln. Ich lebe mit ihnen, ihnen, ihnen, ich liebe sie innerlich, wissend, dass sie leben; denn so wurde ich in der Seele weit hinauf ausgebreitet, bis zum Milch-strasse, Europäer: Steiner, Goethe, Schiller, Bettina von Arnim, Novalis, Morgenstern, in der Gesellschaft der Schweden und… und mit Supervielle und Saint Éxupéry und Joseph Joubert und hier, mit dem Genfer Amiel, aber so, dass ich seine Zeilen aus Uppsala mitbringe… Die Namensliste ist nicht vollkommen, gar nicht, es blieben aus Angelus Silesius und der Bischof von Genf: der heilige Franz von Sales und noch so viele. Von der Übersetzung kommt mir in den Sinn László Németh, der Shakespeare folgendermassen lehrt den Ungaren: „Dienen oder nicht dienen, das ist die Frage.“ Und wie wahr war auch sein Traum von dem verleumdeten und in den Schmutz getretenen Garten-Ungarns! Er war Heiler, Lehrer und Prophet in einer Person, wie jeder wirklich inspirierter Künstler sein sollte – wie auch Sándor Reményik darum bittet. Damit die Menschen nicht voneinander getrennt, und so noch leichter verschüchtert, demoralisiert, zum Narren gemacht leben sollte. Noch ein beispiel von der prophetischen, hellseherischen Kraft von Csokonai, wie exakt fühlte schon vor 200 Jahren: „Ich schreibe für das XX. oder XXI. Jahrhundert, eine Epoche, in der der Ungar entweder ein Ungar sein wird oder nichts sein wird.“ Apropos Übersetzung. Ein Mensch mit Abitur, der noch nicht übersetzt hat? Niemand, nichts, du nichts und auch du nichts? Denn eine Sprache zu lernen ohne Übersetzung geübt zu haben, dürfte nicht sein! „Oh, Lehrer, Pädagogen, seid Künstler-Menschen!“ Rudolf Steiners Traum ist es. Den Willen erweckend, ermunternd, zur Gutmütigkeit, nämlich zur Sympatie zu dem Land, deren Sprache der Sprachlehrer lehrt.

In ihren Werken erwähnen sie mehrmals Lajos Áprily, den sie nebenhin auch als ihren Taufpaten ehren. Er war gewiss mit bedeutender Wirkung auf ihre Kunst, denn sie schreiben: „Der meine Gedichte zur Welt brachte,/ und damit ihr irdisches Sein zur Blüte brachte.“

Zum Áprily sprechen viele meiner Gedichte. In Patenschaft mit ihm zu sein – ich Tue es im dichterischen Sinn. Mein Abend mit dem Titel „Goldenes Glas“ – „Huldigung an Lajos Áprily“ ist voll von Freude. Ich glaube auch nicht, dass ein gebildeter Ungar ist, wer kein Buch von ihm hat und darin nicht blättert. Die Frage des Taufpaten würde ich ausbreiten, und schon sind wir daheim in Siebenbürgen. Auffällig fein, und bis heute schön ist meine Taufpatin (über achtzig) eine mit bedeutungsvollen Visionen gesegnete Frau. Heute weiß ich es schon: die „Rolle“ eines Taufpaten ist viel größer, als es der beschwindelte, gottlos-egoistische Mensch dieser Epoche ahnen könnte. In „Zitadelle unter den Zedern“ gelang es mir vielleicht, etwas mehr davon zu verraten.

In einem ihrer Gedichte schreiben sie von der Bedeutung der Nummern („Wie viele Tränen kommen nach der Trauer“). Ist die Mystik der Nummern ihnen So wichtig?

Das Geheimnis der Nummern ist ein Rätsel, divinatoir. Ich mochte immer Mathematik. Erst wenn die Jahrtausendwende diese betongraue, gnadenlose Epoche wegfegt, die Verbleibende Menschheit wird endlich mit Hochachtung das Geheimnis der EINS (unseren Vaters) verstehen, und warum die Dreifaltigkeit heilig ist. Warum zum Beispiel die Liebesaspekte der am 9-ten Geborenen voll mit Leiden sind (Ehre der Ausnahme), und warum die am 4-ten geborene Seele hellseherische Eigenschaft besitzt. 1997 habe ich Arman Sahihi´s „Altpersische Numerologie“ herausgegeben. Ich flüstere leise: es ist ein miniatur Meisterwerk, sauber, gerade und genial einfach. Über die Lehre der in die Zukunft schauenden, weisen Nummern, in deren Tiefe versteckt ist – als ewig bleibende Tatsachen – die Gleichung des Loses, das Geheimnis der Frage der Gleichung: das Gesetz des Karma, wonach ALLES Gute und Schlechte, auch das Winzigste, wir zurück bekommen, sogar in der siebten Generation, unvermeidlich. Einst wollte ich gerne, dass mein Mann Astronom geworden wäre (nach seinem ungarischen Jura-Diplom und schwedischen Ing.-Diplom). Er ging nicht nach Dornach, hielt Treue der Telekommunikations-Organisation der FN/UNO behauptend: „Bis zu einem gewissen Grad ist es auch hohe Mathematik“. Wenn ich auf die Sterne schaue, was ich oft tue, und ich wage es zu betonen, sehr nüchtern – der Lotus, der Schwan und der Große Wagen und alle, die anderen wunderbaren Formeln, sind göttlich-geistige Geometrie. Bettina von Arnim, Goethe´s Freundin sagte: „Würde der Mensch besser verstehen, was ihm die Sterne zuwinken, so könnte er sich rasend schnell weiter entwickeln…“ Oh, wieviel wertvolles Wissen, was uns von oben noch ERWARTET!

Ihr Mann, Péter Hendi, ist auch ein Schriftsteller, Mitglied des Schwedischen Schriftstellervereins. Wie können sich in einer Familie zwei Künstler ertragen? Die ebenfalls Kritiker von einander sind?

Solange mein Schwiegervater, János Hendlein, lebte, waren wir drei. Einen Menschen von feinerem Humor habe ich kaum gekannt. Er war ein bezaubernder Mann und Lebenskünstler. Kronos jedoch verklagt die Zeit. Über seinen Sohn, Péter Hendi nehme ich nach 44 Jahre Ehe alle über ihn und für ihn geschriebenen Zeilen, auch dann an, wenn er heute nicht mehr an einer Zusammenarbeit interresiert ist. Ich möchte mit einigen Beispielen illustrieren?

Das Unmögliche zu wollen? Nur das ist der Mühe wert. Seine Mandelaugen vor von der Bitterkeit zu schonen. (67) Ihn zu kennen, der so selten war. Mit Schmeicheleien musste er nie hausieren gehen. (65) Dein strengster Kritiker. Haarspalterisch korrekt, und ein außerordentlicher Schriftsteller. Nicht seine Schriften sind außerordentlich. Seine Ehre ist es. (66)

Was das in einer Zeit bedeutet, in der die Menschen gefä­hrlich charakterlos sind? Eine Lebensschule von höchstem Rang, und die Macht von Jupiter, Venus, Neptun, etc. Von alledem bewusst zu sein: riesige Bürden und Verantwortlichkeit. Weit, weitgehende...

Péter Hendi ist im zivilen Leben Computer-Ingenieur und Kandidat der Philosophie. Wenn er Erzählungen schreibt, macht er einen Ausflug von sich selbst?

Ich muss präzisieren: der schwedische Titel Phil. Kand. ist nur der Titel der Universitätsausbildung, nicht mehr. Wenn Hendi eine Erzählung beginnt, „taucht er eher in die Schichten der Seele“; Lenke Gráf schrieb so vor 24 Jahren. „Apollos Saite ist der Rückgrat des Menschen“, das kommt mir in den Sinn über die Empfindlichkeit, die die seine war. Und seine Feinsinnigkeit ist nichts anderes als die Ähnlichkeit seines Verstandes, die mit dem sicheren Zeichen der ursprünglichen Begabung verbunden ist: er ist nie sentimental. Seine Sittsamkeit: tugendhaft und lautere Männlichkeit. In einer seiner früheren Inkarnationen war er ein weltberühmter, genialer Mathematiker und Astrologe am kaiserlichen Hof. Alle Zweifel ausgeschlossen. Aber er war früher auch ein noch größerer Herr. Und er war sicher nicht nur das. Alle seine Novellen erschienen in schwedischer Sprache; eines seiner auf Französisch geschriebenen kurzen Theaterstücke wurde in sieben Städten der Schweiz aufgeführt, „dahinter“ ahne ich am ehesten einen höheren Eingriff… Aber ich würde mich in die Antwort übermässig vertiefen, schliessen wir lieber mit einem Bekenntnis-Gedicht von mir, mit dem Titel „Du hast gesteuert“: Du, der sich mit dem Blaubart geduzt hast,/ Und der du mir Alles sein konntest,/ Wie soll ich dich nennen?/ das Meer,/ Das Grüne des ganzen Lebens: Deine Augen/ Geschenk-Fische,/ Von denen das Schaukeln stammt./ Der Anfang meiner Zukunft,/ Musik, Musik, Musik/ Bis zur Seligkeit hast du mich mit ihnen gesteuert.